Gin-Arten im Vergleich: London Dry, Distilled & Contemporary Gin
Wie sich Gin-Stile bei Herstellung, Geschmack und Charakter unterscheiden
Zum ArtikelLondon Dry, Distilled Gin, Dry Gin oder Contemporary Gin: Die Begriffe wirken ähnlich, beschreiben aber unterschiedliche Dinge. Wir erklären, welche Gin-Arten in der EU rechtlich definiert sind, was „dry“ tatsächlich bedeutet und wie sich moderne Gin-Stile davon unterscheiden.
Zurück zur ThemenübersichtBei Gin begegnen einem viele Begriffe: Dry Gin, Distilled Gin, London Dry Gin, Contemporary Gin oder New Western Gin. Auf den ersten Blick wirken sie wie gleichwertige Gin-Arten. Tatsächlich beschreiben sie aber nicht alle dasselbe.
Kurz gesagt: Gin, Distilled Gin und London Gin sind in der EU rechtlich definierte Kategorien. „Dry“ ist eine zulässige Zusatzbezeichnung mit einer klaren Grenze für zugesetzte Süße. Contemporary Gin oder New Western Gin beschreibt dagegen vor allem einen modernen Geschmacksstil und ist keine eigene gesetzliche Gin-Kategorie.
Wer diese Ebenen trennt, kann Etiketten und Stilbezeichnungen deutlich besser einordnen. Vor allem wird verständlich, warum ein moderner, fruchtiger oder kräuterbetonter Gin nicht automatisch außerhalb klassischer Gin-Regeln liegt.
Warum die Begriffe bei Gin leicht verwirren
Bei Gin werden Herstellungsweise, gesetzliche Bezeichnung und Geschmacksstil häufig miteinander vermischt. Genau daraus entstehen viele Missverständnisse.
Ein Begriff wie London Gin beschreibt in erster Linie, wie ein Gin hergestellt werden muss. Contemporary Gin beschreibt dagegen, wie ein Gin sensorisch ausgerichtet ist. „Dry“ wiederum sagt vor allem etwas über die erlaubte zugesetzte Süße aus.
Das bedeutet auch: Diese Begriffe schließen einander nicht immer aus. Ein Gin kann nach einem streng geregelten Verfahren hergestellt sein und geschmacklich trotzdem moderner wirken. Für die Einordnung ist deshalb wichtig, zuerst zwischen rechtlicher Kategorie und Stilbeschreibung zu unterscheiden.
Was in der EU grundsätzlich als Gin gilt
Die rechtliche Grundlage bildet die Verordnung (EU) 2019/787. Danach ist Gin eine Spirituose mit Wacholder, die aus Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs hergestellt und mit Wacholderbeeren aromatisiert wird.
Der Mindestalkoholgehalt beträgt 37,5 % vol. Außerdem muss der Geschmack nach Wacholder vorherrschend bleiben.
Die allgemeine Kategorie „Gin“ lässt bei der Aromatisierung mehr Spielraum als die strengeren Unterkategorien. Entscheidend ist aber auch hier: Wacholder bildet den charakteristischen Kern.
Was ist Distilled Gin?
Distilled Gin – rechtlich auf Deutsch „Destillierter Gin“ – geht bei der Herstellung einen Schritt weiter. Hier wird Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs mit einem ursprünglichen Alkoholgehalt von mindestens 96 % vol. zusammen mit Wacholder und anderen natürlichen Botanicals destilliert. Der Wacholdergeschmack muss auch dabei vorherrschend bleiben.
Die EU-Regelung erlaubt bei Distilled Gin außerdem bestimmte weitere Möglichkeiten. Das gewonnene Destillat kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen mit weiterem Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs kombiniert werden. Auch bestimmte Aromastoffe oder Aromaextrakte dürfen zur weiteren Aromatisierung verwendet werden.
Ein Gin, der lediglich durch das einfache Zugeben von Essenzen oder Aromen zu Neutralalkohol hergestellt wurde, darf jedoch nicht als Distilled Gin bezeichnet werden.
Damit beschreibt „Distilled Gin“ vor allem einen Herstellungsweg. Aus der Bezeichnung allein lässt sich noch nicht zuverlässig ableiten, ob ein Gin klassisch wacholderbetont, zitrisch, floral oder kräuterbetont schmeckt.
Was ist London Dry Gin?
London Gin ist eine strengere Form des Distilled Gin. Der Name führt manchmal in die falsche Richtung: Ein London Gin muss nicht in London hergestellt werden. Die Bezeichnung beschreibt in der EU ein Herstellungsverfahren und keine geografische Herkunft.
Bei London Gin muss das Aroma ausschließlich durch die Destillation des landwirtschaftlichen Ethylalkohols mit allen verwendeten natürlichen pflanzlichen Stoffen entstehen. Das daraus gewonnene Destillat muss mindestens 70 % vol. Alkohol enthalten.
Nach der Destillation sind die Möglichkeiten deutlich eingeschränkt. London Gin darf nicht gefärbt werden und keine zusätzlichen Zutaten enthalten, abgesehen von den gesetzlich vorgesehenen Bestandteilen, weiterem geeigneten Ethylalkohol, einer sehr geringen zulässigen Süßung und Wasser.
Die zugesetzten süßenden Erzeugnisse dürfen höchstens 0,1 Gramm pro Liter des Fertigerzeugnisses, ausgedrückt als Invertzucker, betragen.
Die Bezeichnung London Gin darf durch „dry“ ergänzt werden. Daher ist „London Dry Gin“ die im Alltag besonders bekannte Formulierung.
Was bedeutet „Dry Gin“?
„Dry“ wird geschmacklich oft mit besonders herb, trocken oder stark wacholderbetont gleichgesetzt. Rechtlich bedeutet der Begriff aber etwas Konkreteres.
Gin und Distilled Gin dürfen mit „dry“ bezeichnet werden, wenn nicht mehr als 0,1 Gramm süßende Erzeugnisse pro Liter des fertigen Produkts zugesetzt wurden, ausgedrückt als Invertzucker. London Gin erfüllt diese Grenze bereits aufgrund seiner eigenen Vorgaben und darf ebenfalls die Bezeichnung „dry“ tragen.
Dry Gin ist deshalb nicht automatisch eine eigene Geschmacksrichtung.
Ein Dry Gin kann zitrische, florale, kräuterige oder würzige Aromen besitzen. Die Bezeichnung sagt nicht, welche Botanicals geschmacklich an zweiter Stelle stehen. Sie sagt vor allem etwas über die zugesetzte Süßung aus.
Auch ein Gin ohne nennenswerte Zuckerzugabe kann sensorisch weich oder leicht süßlich wirken. Solche Eindrücke können durch Alkohol, Zitrusaromen, Gewürze oder andere Botanicals entstehen und sind nicht dasselbe wie eine nachträgliche Süßung.
Was ist Contemporary Gin oder New Western Gin?
Contemporary Gin ist keine eigene gesetzliche Kategorie der EU. Der Begriff wird verwendet, um einen moderneren Gin-Stil zu beschreiben. Ähnliche Bezeichnungen sind New Western Gin oder New Wave Gin.
Bei solchen Gins bleibt Wacholder wichtig, andere Botanicals erhalten geschmacklich aber häufig mehr Raum als bei einem sehr klassischen, stark wacholdergeprägten Profil. Je nach Rezeptur können zum Beispiel Zitrusfrüchte, Kräuter, Blüten, Gewürze oder regionale Zutaten stärker wahrnehmbar sein.
Das bedeutet nicht, dass Wacholder beliebig in den Hintergrund treten darf. Wird die Spirituose in der EU als Gin verkauft, muss sie weiterhin die rechtlichen Anforderungen an Gin erfüllen.
Contemporary Gin ist daher am besten als sensorische Stilbeschreibung zu verstehen. Der Begriff sagt mehr über die geschmackliche Ausrichtung als über ein bestimmtes Herstellungsverfahren aus.
Gin-Arten im Vergleich: die wichtigsten Unterschiede
Die Begriffe lassen sich am einfachsten so auseinanderhalten:
- Gin: rechtlich definierte Grundkategorie. Mindestens 37,5 % vol. und vorherrschender Wacholdergeschmack.
- Distilled Gin: rechtlich definierte Kategorie mit Destillation von Alkohol, Wacholder und natürlichen Botanicals; zusätzliche Aromatisierung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
- London Gin / London Dry Gin: besonders streng geregelte Form des Distilled Gin. Die Aromatisierung entsteht durch die gemeinsame Destillation der verwendeten natürlichen pflanzlichen Stoffe; nachträgliche Eingriffe sind stark begrenzt.
- Dry Gin: keine Aussage über die Intensität des Wacholders, sondern eine Zusatzbezeichnung mit einer sehr niedrigen Grenze für zugesetzte Süße.
- Contemporary Gin / New Western Gin: nicht gesetzlich definierter Stilbegriff für Gins, bei denen neben Wacholder andere Aromen bewusster in den Vordergrund rücken.
Gerade der letzte Punkt ist wichtig: Rechtliche Kategorie und Geschmacksstil sind zwei verschiedene Ebenen. Deshalb sollte man aus einem Begriff wie „Contemporary“ nicht automatisch auf eine bestimmte Herstellungsmethode schließen.
Wie unterscheiden sich klassische und moderne Gin-Stile geschmacklich?
Klassische Gin-Profile sind häufig deutlich von Wacholder geprägt. Dazu kommen oft Zitrusnoten, Koriander, Wurzeln und Gewürze. Das ergibt meist einen klaren, trockenen und würzigen Charakter.
Bei Contemporary Gins wird die Rezeptur häufig so aufgebaut, dass neben dem Wacholder weitere Botanicals stärker erkennbar werden. Das kann einen Gin beispielsweise fruchtiger, floraler, kräuterbetonter oder würziger wirken lassen.
Wichtig ist dabei: Die rechtliche Bezeichnung allein ist keine vollständige Geschmacksbeschreibung. Zwei London Dry Gins können deutlich unterschiedlich schmecken, obwohl beide dieselben gesetzlichen Herstellungsregeln erfüllen. Umgekehrt können zwei Contemporary Gins sensorisch weit auseinanderliegen.
Für die Verkostung ist daher oft die Frage interessanter, welche Botanicals das Aromaprofil prägen, als nur die Bezeichnung auf dem Etikett zu betrachten.
Wie wir die Stile bei Teuchtler Gin einordnen
Auch bei Teuchtler Gin nutzen wir unterschiedliche Stilrichtungen. Unser Original Gin ist als London Dry Gin klassisch, wacholderbetont und würzig aufgebaut. Zitrusnoten, Koriander, Angelikawurzel und eine dezente Zimtnote ergänzen den Wacholder.
Beim Sommer Gin, Winter Gin und New Western Gin arbeiten wir dagegen mit Contemporary-Style-Profilen. Hier dürfen je nach Rezeptur fruchtige, florale, würzige oder kräuterbetonte Noten stärker hervortreten.
Das zeigt recht gut, warum die Stilfrage nicht mit „klassisch oder modern“ im Sinn von besser oder schlechter beantwortet werden kann. Entscheidend ist, welches Aromaprofil man erreichen möchte und wie ausgewogen die Botanicals zusammenspielen.
Häufige Fragen zu Gin-Arten
Ist London Dry Gin immer besser als Distilled Gin?
Nein. London Dry Gin folgt strengeren Herstellungsregeln, ist dadurch aber nicht automatisch qualitativ besser. Qualität hängt unter anderem von den Rohstoffen, der Rezeptur, der Destillation, der Verarbeitung und der sensorischen Balance ab.
Muss London Dry Gin aus London kommen?
Nein. „London Gin“ ist in der EU keine geografische Herkunftsangabe, sondern eine rechtlich definierte Herstellungsweise.
Ist Dry Gin dasselbe wie London Dry Gin?
Nein. „Dry“ kann auch bei Gin oder Distilled Gin verwendet werden, wenn die gesetzliche Grenze für zugesetzte Süßung eingehalten wird. London Gin ist dagegen eine eigene, streng definierte Kategorie innerhalb der Gin-Regelungen.
Ist Contemporary Gin eine offizielle Gin-Kategorie?
Nein. Contemporary Gin beziehungsweise New Western Gin ist eine stilistische Bezeichnung. Ein so beschriebener Gin muss trotzdem die gesetzlichen Anforderungen der tatsächlichen Spirituosenkategorie erfüllen, unter der er verkauft wird.
Welcher Gin-Stil eignet sich für Gin Tonic?
Das hängt vom gewünschten Geschmack ab. Ein klassisch wacholderbetonter Gin funktioniert sehr gut mit einem eher geradlinigen Tonic. Bei floralen, fruchtigen oder kräuterbetonten Gins lohnt es sich, ein Tonic zu wählen, das die feineren Botanicals nicht überdeckt.
Fazit: Nicht jede Gin-Art beschreibt dasselbe
Bei Gin lohnt es sich, zwischen rechtlichen Kategorien und geschmacklichen Stilbegriffen zu unterscheiden. Gin, Distilled Gin und London Gin sind in der EU klar definiert. „Dry“ beschreibt eine sehr niedrige zulässige Süßung, während Contemporary Gin oder New Western Gin vor allem die sensorische Ausrichtung beschreibt.
Wer diese Unterschiede kennt, kann Etiketten besser lesen und Gins gezielter nach Herstellung und Geschmack einordnen. Am Ende sagt die Kategorie viel über den rechtlichen und technischen Rahmen aus – das tatsächliche Aromaprofil entscheidet sich aber in der Rezeptur und im Zusammenspiel der Botanicals.


